28. Oktober 2013

Kurz erklärt: "Design Thinking"

Ein Thema, dass seit langem bewegt, ist interdisziplinäres Arbeiten, über den Tellerrand sehen und den Blick fürs Ganze, aber insbesondere den Menschen zu haben.

Wobei geht es im Design Thinking? Hier mal ein paar Beiträge aus der Presse dazu, die das Thema gut umreißen.

Gerne können auch Kommentare und Diskussionsfragen gestellt werden.


--> Hier gibt es den Link zum Design Thinking Toolkit for Educators


Beitrag der Frankfurter Allgemeine


Beitrag der VDI-Nachrichten:

Design Thinking verändert unsere Arbeitskultur"

Produktmanagement: Auf dem globalen Markt werden die Innovationszyklen immer kürzer und erfordern neue Strategien für die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Design Thinking ist eine Variante. Auf diese an der US-Universität Stanford geborene Philosophie werden mittlerweile auch deutsche Firmen aufmerksam.
VDI nachrichten, Düsseldorf, 20. 9. 13, ws
„Jeder, der in einer sich immer schneller vernetzenden Welt lebt, kann mit Design Thinking etwas anfangen, vom einzelnen Individuum über Klein- und Mittelständler und Großunternehmen bis zu politischen Institutionen“, ist Ulrich Weinberg überzeugt.
Der studierte Grafiker leitet am Potsdamer Hasso Plattner Institut (HPI) die School of Design Thinking. Seit 2007 können Studierende hier aus unterschiedlichen Fachrichtungen lernen, wie man eng am Kunden orientiert praxistaugliche und verbraucherfreundliche Lösungen für Unternehmen und öffentliche Institutionen entwickelt.
Design Thinker arbeiten grundsätzlich in multidisziplinären Teams. So kooperieren „kreative Querdenker“, wie das HPI sie bezeichnet, aus den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, der Soziologie oder Psychologie, um unterschiedliche Aufgaben zu lösen.
Es kann um den neuen IT-Arbeitsplatz für VW, das verbesserte Antragsverfahren für die Bundesdruckerei oder das Homeshopping-Konzept für die Metro gehen. Die Gruppen gehen nach einem sechsstufigen Prozess vor, an dessen Anfang das Verstehen und Beobachten steht. Weinberg: „Die beste Inspirationsquelle ist es, sich die Menschen nach ihren Bedürfnissen anzuschauen.“
Dann folgen das eigentliche „Erfinden“, die Visualisierung und der Prototypenbau – gerne auch mithilfe von Legosteinen, Playmobil-Figuren oder Kostümen – und die Erprobung. Das Verfahren wird in Rückkopplung mit dem Kunden wiederholt, bis das optimale Produkt steht. Am Besprechungstisch findet man diese Entwickler selten, denn zu den Prinzipien von Design Thinking gehört eine variable Arbeitsumgebung. Viele junge Menschen seien gute Player auf ihrem Spezialgebiet, beobachtet Weinberg, aber auf eine immer komplexere Welt viel zu wenig vorbereitet.
Doch Design Thinking bedeutet nicht nur einen pädagogischen Paradigmenwechsel. „Der ökonomische Grundgedanke ist, dass die Wertschöpfung beim Kunden beginnt“, sagt Martin Beyerle, Mitgründer der Kölner Service Design-Agentur minds & makers.
Beyerle zählt die Domstadt ebenso zu seinen Auftraggebern wie die Hilfsorganisation „Aktion Mensch“ oder den E.on-Vertrieb Deutschland. Die Instrumente der klassischen Marktforschung, erklärt der Betriebswirt, seien weder geeignet, Empathie gegenüber der Zielgruppe aufzubauen, noch seien sie inspirierend für den Innovationsprozess. Beyerle und seine drei Kollegen arbeiten deswegen mit kleineren Kundengruppen und gehen in die Tiefe.
Für die Unternehmen, die Design Thinking wagen, bedeutet dies, dass sie den Kundenkontakt direkt vor Ort suchen müssen. So haben die E.on-Mitarbeiter von Vertrieb und Service ihre Kunden zu Hause besucht, sie nach ihrem Zeitmanagement gefragt und gemeinsam den Zähler abgelesen.
Ziel war es, den Kernprozess von der Ablesung bis zur Jahresabrechnung zu optimieren. In Workshops erarbeiteten Experten gemeinsam mit den Endverbrauchern Lösungsansätze. Die Teams fanden heraus, dass es sinnvoll ist, mit der Aufforderung zur Nachzahlung direkt eine Verbrauchsberatung anzubieten, weil die meisten Kunden eine Nachzahlung mit Preiserhöhungen, nicht aber mit ihrem eigenen Verbrauchsverhalten in Verbindung bringen.
„Früher konnten wir nur einzelne Kundenkontaktpunkte verbessern“, berichtet Michael Wend, im Unternehmen zuständig für das Thema. „Jetzt ergibt sich für uns ein besseres Gesamtbild.“ Wichtig sei, sich bei jedem Schritt zu fragen: Was bedeutet das aus Kundensicht? Mittlerweile sei Service Design im Privatkundenbereich ein etabliertes und von den Beschäftigten – vom Kundenbetreuer bis hin zur Geschäftsführung – akzeptiertes Instrument, zieht Wend eine positive Zwischenbilanz.
Auch die SAP AG setzt auf die neue Methode. „Wir verstehen es nicht als Einzelinstrument, sondern als integralen Bestandteil unserer Arbeit und unserer Unternehmenskultur“, betont Michael Spindler, beim Softwarehersteller Experte für Design Thinking.
Nicht nur Bereiche wie Entwicklung, Vertrieb und Beratung sollen an den Ansatz herangeführt werden, auch die Personalabteilung. SAP schickt seine Entwickler in die Unternehmen, um sich die Arbeitsbedingungen und -prinzipien ihrer späteren Nutzer anzuschauen und diese Erfahrungen in die Produkte einfließen zu lassen. „Es entsteht mehr Nähe zum Endverbraucher. Die Entwicklungsarbeit ist weniger abstrakt“, so Spindler. „Das stößt bei unseren Mitarbeitern auf große Resonanz.“
Mehr als 4000 Menschen hat SAP nach eigenen Angaben mittlerweile in Design Thinking trainiert. Knapp 300 Entwicklungsprojekte sollen bis Ende 2013 nach dieser Methode arbeiten. Dank des neuen Ansatzes habe man die Entwicklungszeit von Software und Lösungen von 18 auf 7,5 Monate verkürzen können.
„Der Bedarf am Markt ist sehr hoch“, sagt Spindler. Auch Ulrich Weinberg beobachtet, dass die Nachfrage und das Interesse der Wirtschaft massiv zugenommen haben. Zehn der 20 größten Unternehmen in Deutschland gehören nach seinen Angaben entweder zu den Projektpartnern des HPI oder schicken ihre Professionals zur Weiterbildung nach Potsdam. „Design Thinking verändert unsere Unternehmens- und Arbeitskultur“, ist der Experte überzeugt.  JUTTA WITTE


Definition bei Gründerszene:

Design Thinking ist ein aus den USA stammender Kreativprozess zur Ideenfindung, der sich am Nutzer orientiert und auf Design-Methoden beruht.

Design Thinking ist ein von der Innovationsagentur IDEO entwickelter Prozess zur Förderung kreativer Ideen. Ähnlich dem User-Centered-Design (UCD) fokussiert sich die Design Thinking-Methode darauf, Innovationen hervorzubringen, die sich am Nutzer orientieren und dessen Bedürfnisse befriedigen. Um dies zu gewährleisten, greift Design Thinking auf Vorgehensweisen aus dem Design-Bereich zurück, welcher explizit nutzerorientiert arbeitet. Dabei basiert Design Thinking auf vier wesentlichen Komponenten:
Ein iterativer Prozess (I): eines der wesentlichen Elemente des Design Thinkings ist der klar strukturierte Prozess, der sich in iterativen Schleifen vollzieht. Sow wird früh prototypisiert und Einsichten werden wiederholt rekapituliert. Der iterative Prozess des Design Thinkings besteht in der Regel aus sechs Schritten:


  1. VERSTEHEN: im ersten Schritt geht es um das Verständnis des Problems, was in der Wahl einer geeigneten Fragestellung mündet, welche die Bedürfnisse und Herausforderungen des Projekts definiert.
  2. BEOBACHTEN: es folgt eine intensive Recherche und Feldbeobachtung, um wichtige Einsichten und Erkenntnisse zu gewinnen und die Rahmenbedingungen des Status Quo zu definieren.
  3. POINT-OF-VIEW: die gemachten Beobachtungen werden dann auf einen einzelnen, prototypischen Nutzer heruntergebrochen, dessen Bedürfnisse in einer klar definierten Brainstorming-Frage kondensiert werden.
  4. IDEENFINDUNG: dieser Schritt ist eines der Kernelemente des Design Thinkings und besteht vor allem aus dem Brainstorming, welches der Entwicklung und Visualisierung unterschiedlicher Konzepte dient.
  5. PROTOTYPING: zum Testen und Veranschaulichen der Ideen werden erste, aufwandsarme Prototypen entwickelt und an der Zielgruppe getestet.
  6. VERFEINERUUNG: auf Basis der durch Prototypen gewonnenen Einsichten wird das Konzept weiter verbessert und solange verfeinert, bis ein optimales, nutzerorientiertes Produkt entstanden ist. Dieser Iterationsschritt kann sich auf alle bisherigen Schritte beziehen.

Eigene Werte (II): Bekannt geworden sind die klar definierten Werte der Brainstorming-Phase:

• Arbeite visuell (be visual)

• Nur einer spricht (one conversation at a time)

• Fördere verrückte Ideen (encourage wild ideas)

• Stelle Kritik zurück (defer judgement)

• Quantität ist wichtig (go for quantity)

• Bleib beim Thema (stay on topic)

• Baue auf den Ideen anderer auf (build on the ideas of others)


Interdisziplinäre Teams (III): Um möglichst vielfältige Herangehensweisen an eine Problemstellung zu gewährleisten, kommen beim Design Thinking Personen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen. Dies können berufliche sein, aber auch kulturelle, nationale oder einfach nur Alters- und Geschlechtsunterschiede. Entscheidend ist der vielschichtige Blick auf eine Thematik.

Mobile Raumkonzepte (IV): Raum nimmt eine große Rolle beim Design-Thinking ein. Arbeiten im Stehen, Schreiben auf Whiteboards und mobile Raumkonzepte gehören aber zum Design Thinking wie Erfinder IDEO es praktiziert.
Entwickelt durch IDEO wurde Design Thinking dadurch sehr bekannt, dass die amerikanische Elite-Universität Stanford ein eigenes Institut unter Schirmherrschaft von SAP-Gründer Hasso Plattner zu diesem Thema ins Leben gerufen hat, die mit der HPI School of Design Thinking (D-School) auch in Potsdam einen Ableger gefunden hat.
Beispiel:
Die HPI School of Design Thinking in Potsdam praktiziert Design-Thinking. Ebenso hat das in Stanford ansäßige Hasso Plattner Institute of Design auch mit Projektergebnissen wie dem "D-Light", einer Solar-Lampe für die dritte Welt, von sich Reden gemacht.

Ahmed Acar erklärt den Begriff "Design Thinking"

24. Oktober 2013

Kurz erklärt: Human Development Index (HDI)

W. Sonnenburg beschreibt es in seinem Beitrag vom 22.10.2013 sehr treffend: 

"Normalerweise wird der gesellschaftliche Wohlstand am Bruttoinlandsprodukt gemessen, also an der Gesamtsumme aller in einem Land geschriebenen Rechnungen. Im Klartext heißt das, dass damit auch alle Rechnungen für Burnout, Depressionen, Chemotherapie, Verbrechen, Polizeieinsätze und so weiter und so fort eingehen. Also Rechnungen, die stellvertretend für menschliches Unwohlsein und Unglück stehen. Ich halte das für völlig paradox.
Die Idee, einen aussagekräftigen Index einzuführen, der den echten persönlichen Wohlstand der Menschen einer Gesellschaft erfasst, ist der Ansatz des Human Development Index (HDI), den die Vereinten Nationen bereits vor über 20 Jahren erklärten. Dieser geht bereits in eine ganzheitliche Richtung. 

Der HDI ist ein Index für die menschliche Entwicklung. Menschen sind der wahre Reichtum eines Landes!

In den HDI gehen über den finanziellen Wohlstand hinaus auch Bildung,Gesundheit und Glück ein. Der Mensch wird nicht allein auf Zahlen reduziert. Der Mensch wird in seiner Ganzheit betrachtet. Mit allem, was für ein erfülltes Leben von Bedeutung ist. Wirklich glücklich macht uns, das zu finden, was uns echte Erfüllung in unserem Leben bringt. JEDER von uns hat viel mehr Möglichkeiten, als er momentan nutzt. Alles ist möglich!
Überlegen Sie doch bitte einmal, wie Sie für sich selbst Wohlstand, Gesundheit, Bildung und Glück definieren. 
All dies ist die Basis für ein erfülltes Leben. 
Und vor allem auch die Folge von Eigenverantwortung."